Bis zum Spätsommer
Zum Tod von Konrad Beikircher
Konrads Managerin Elisabeth „Eli“ Plum hatte uns ein Date gebastelt.
Konrad Beikircher trat in der Berliner Distel auf, und Eli schickte Maryvonne und mir Karten. Nach der Vorstellung lud Konrad uns ins Grill Royal ein. Es gab Unmengen von Steak, Filetspitzen und Wein. Es ging noch um nichts Konkretes. Es gab Lebensgeschichten, seine und meine.
Konrad wollte sie hören. Also erzählte ich ihm vom Straßentheater und vom Kabarett, von Pantomime und Schauspiel, vom Schreiben fürs Fernsehen und davon, wie ich zur Grafik gekommen war, weil beim Theater eben auch jemand Plakate und Programmhefte machen musste.
Er hörte sich das alles an und sagte nur: „Mir war gleich klar: Nach dem, was die Eli über dich erzählt hatte, kann das kein Mensch mit einem geraden Lebenslauf sein.“
Damit war eigentlich alles geklärt.
Maryvonne und ich begleiteten ihn später zu seinem Hotel in der Friedrichstraße. Schon bald wurde es konkret: das Berliner Abendessen wurde Fundament einer mehr als zehnjährigen Zusammenarbeit mit sehr vielen, sehr schönen Projekten. Als Key-Art für das Programm „Dat dat dat darf“ entstand sein ikonisches Porträt als Ludwig van Beethoven.

Die meiste Kommunikation lief weiter über Eli – Konrad war in seinem Universum unterwegs. Aber wenn es wichtig wurde, sprachen wir miteinander: wenn ein neues Plakat entstehen sollte, eine grundsätzliche Entscheidung anstand oder eine kaputte Website wie für das geliebte Kunstprojekt The RhineArt wieder zum Leben erweckt werden musste.
Wir rockten seine Website, Plakate, Keyvisuals. Wir unterstützten ihn bei seinen Social-Media-Auftritten. Wir bearbeiteten Bilder, schnitten Videos, schrieben Texte. Es war nie nur eine einzelne Disziplin. Es ging immer darum, für Konrad und seine Geschichten die passende Form zu finden, die so vielseitig war wie der Mann selbst.
Unser letztes Gespräch führten wir ein paar Wochen vor seinem Tod.
Wir sprachen darüber, seine Website neu zu denken. Sie sollte nach seinem Rückzug vom Tourleben künftig stärker vom Katharinenhof erzählen – dem Ort, an dem Konrad weiter stationär aktiv sein wollte: als Künstler, gemeinsam mit seiner Frau Anne, mit seinen Programmen, als Gastgeber für Bühnenkünstler und mit dem alljährlichen Skulpturengarten. Wir verabredeten uns für den Spätsommer, um auf dem Hof mit ihm und Anne darüber zu reden.
Dann kam alles anders. Aus einer Zukunft, über die wir noch ganz selbstverständlich gesprochen hatten, ist innerhalb weniger Wochen Erinnerung geworden.
Was bleibt, sind mehr als zehn Jahre gemeinsamer Arbeit. Und die Erinnerung an einen Abend mit viel zu viel Steak, viel Rotwein und einem Mann, der sehr genau wusste, dass gerade Lebensläufe meistens die langweiligeren Geschichten erzählen.
Konrad fehlt so vielen. Er fehlt uns allen – ganz konkret und nicht wegen irgendetwas Konkretem.
Mach et jot, Konrad.