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Marina Amaral: Alles so schön bunt hier!

Von | 22. März 2018|Kategorien: Editorial|

Marina Amaral koloriert Fotos.

Was Marina Amaral macht, ist handwerklich dabei nicht mehr, als versierte Photoshoparbeit: das Säubern von Fotos beispielsweise ist spätestens seit Erfindung des Reparaturpinsels nicht einmal mehr Arbeit: wo man früher zum Überdecken von Bildmängeln für einen “Kopierstempel” das Motiv noch nach ähnlichen Bereichen absuchen musste, “übermalt” man heute einen Knick oder Riss und das Programm erledigt den Rest. Ähnlich ist das Kolorieren von Schwarzweissbildern für Photoshop mit seinen unendlichen Ebenen, die man für jede einzelne Farbnuance anlegen kann, nicht wirklich ein Problem, das Kolorieren ein reines Geduldsspiel, eine Art anspruchsvolleres “Malen nach Zahlen”.

Interessant wird die Arbeit von Marina Amaral durch die farbforensische Arbeit: welche Farben hatten beispielsweise Uniformen und Rangabzeichen in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, welche Farben hatten die Häkelkrawatten Albert Einsteins? Das gibt der Arbeit zusätzliche Wirkung, die dazu beiträgt, dass der Jahrmarkttrick des Farbigen hier noch besser funktioniert: der Mörder Abraham Lincolns hat plötzlich die Autenthiziät eines Jugendlichen der mitten am Tag vollgedrogt aus irgendeinem halblegalen Tanzschuppen gefallen ist.

In fünfzig Jahren wird das alles anders sein. Schluss mit Schwarzweiss, flimmernden Bildern und kratzigen Tonaufnahmen. Nemand wird mehr Menschen persönlich kennen, von denen es nur ein abgewetztes Schwarzweissbild gibt. Alle Toten hinterlassen schon heute komplett digitale, also nicht degenerative Bild- und Tonspuren, voll farbig, mit sattem Ton, in 3D.

Wie wecken wir in fünfzig Jahren die Erinnerung? Wenn wir per Handy-App längst die Avatare der Toten selbstgeschriebene Gedichte aufsagen lassen können?

Welcher Jahrmarkttrick wird uns dann das mulmige Gefühl gegenüber der Vergänglichkeit machen?

The Colour of Time spans more than a hundred years of world history from the reign of Queen Victoria and the US Civil War to the Cuban Missile Crisis and beginning of the Space Age. It charts the rise and fall of empires, the achievements of science, industry and the arts, the tragedies of war and the politics of peace, and the lives of men and women who made history.The book is a collaboration between me and a leading British historian, Dan Jones. 200 stunning images were created for the book, using contemporary photographs as the basis for my full-colour digital renditions. Dan Jones has written a narrative that anchors each image in its context, and weaves them into a vivid account of the world that made the world we live in today.Blog — Marina Amaral

2208, 2017

GR und das Kabarett

Von | 22. August 2017|Kategorien: News|

Große Bögen – wir bauen gerade viele Illustrationen, die das neue Ensemble, das Die Wühlmäuse ab September bespielt, in den großen kabarettistischen Zusammenhang stellen. Mit Thomas Freitag verbindet uns noch etwas mehr: ich habe Anfang der 1980er mit siebzehn das Plakat zu seinem ersten Soloprogramm gezeichnet!

Ab dem 1. September wird das Theater Die Wühlmäuse wieder von einem eigenen Ensemble bespielt (Tickets & Termine:…

Gepostet von Die Wühlmäuse am Dienstag, 22. August 2017

1908, 2017

Von | 19. August 2017|Kategorien: News|Schlagwörter: |

“Welches Problem hat das deutsche Fernsehen denn heute? Hugo Egon Balder: “Das Problem ist: Wenn man den Ehrgeiz hat, mal was anderes zu machen, dass der Verwaltungsapparat schnell größer als der kreative Apparat ist. In dem Moment, wo das der Fall ist, ist Feierabend.” BILD

1808, 2017

Verräterischer Quelltext

Von | 18. August 2017|Kategorien: News|

Die Orthographie verrät: Der Webmaster des Karikaturisten Horst Haitzinger hat sich nie mit Karikaturen beschäftigt. Merke: Wer “Karrikatur” schreibt, der macht auch einen Hacken hinter ein Projekt. Vorsicht, Onlinedienstleister, der Quelltext erzählt mehr über Euch, als Eure Website. www.horst-haitzinger.de

1808, 2017

Von | 18. August 2017|Kategorien: News|

Die Packstationen von DHL Paket sind wie russisches Roulette: kommen die Pakete in der bestellten Packstation an, oder kilometerweit entfernt in der vollgepissten Kiste neben den Pennern im Brennpunkt?

1808, 2017

Politische Karikatur

Von | 18. August 2017|Kategorien: News|

Politische Karikatur, dazu noch animiert, ist schwer. Oft sieht das Ergebnis entsprechender Bemühungen bemüht aus, man sieht zuallererst, dass ein überforderter Zeichner an der Aufgabe scheitert. Karikatur IST schwierig. Dass das mühelos daherkommt und die Karikierten im Zerrbild sogar Sympathiepunkte gewinnen, ist selten. Loriot konnte das. Hier verzichtet er sogar komplett auf die Überhöhung durch einen auf Pointe geschriebenen, durch einen Parodisten eingelesenen Text; stattdessen nimmt er einen echten Interviewausschnitt Helmut Schmidts, in dem der Politiker über Banales spricht (allein das war in den 1970ern schon eine Seltenheit) und inszeniert das als trocken-nonchalantes Statement ganz so, wie Schmidt damals auch über hochsensible politische Zusammenhänge sprach.